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Paulskirche: Genscher erhält Freiheitspreis
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| Hans-Dietrich Genscher erhält den ersten Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung |
Zum ersten Mal hat die Friedrich-Naumann-Stiftung einen „Freiheitspreis“ verliehen, einen Preis, über den der Vorsitzende des Vorstandes Dr. Wolfgang Gerhardt sagt, er solle als „Fingerzeig auf Persönlichkeiten mit glaubwürdigem Vorbildcharakter bei zivilisatorischen und gesellschaftlichen Standards“ dienen. Erhalten hat ihn ein Mann, für den er nicht erfunden wurde, aber für den er hätte erfunden werden müssen: Hans-Dietrich Genscher.
Für viele Jahre war der ehemalige Außenminister die Inkarnation liberalen Denkens und Handelns. Als vor rund 1300 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft der ehemalige Bundesaußenminister auftrat, ließ das Publikum noch einmal Erinnerungen Revue passieren an die Außenministerjahre des Mannes mit dem gelben Pullover und den über 900 Auslandsreisen. An diese und den Scherz, es wären so viele gewesen, dass sich zwischen Moskau und Washington zwei Flugzeuge begegnet seien – mit Genscher als Passagier in beiden Richtungen, erinnerte der Laudator, Richard von Weizsäcker aber aus gutem Grund. Die umtriebige „Pendeldiplomatie“ war unverzichtbarer Bestandteil jener Außenpolitik, die in die Staatslehre als „Genscherismus“ eingegangen ist und die von Weizsäcker als „rastlose Friedenspolitik“ bezeichnet – immer eng verankert im westlichen Bündnis, aber immer im Bewusstsein der Notwendigkeit des Gesprächs mit beiden damaligen Großmächten. „Er hat damit“, meinte ein ehemaliger Jungliberaler anerkennend, „auch die heimliche Sehnsucht der Deutschen nach Neutralität, aber zumindest nach Eigenständigkeit auch gegenüber den Amerikanern befriedigt“. Vor allem sei er damit aber „ungemein erfolgreich in der Wirkung auf die Geschichte“ gewesen.
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| 1.300 Gäste in der Frankfurter Paulskirche |
Und so würdigte denn auch von Weizsäcker besonders Genschers Eintreten für die Entspannungspolitik, für die unverzichtbare Einbeziehung der Sowjetunion bei der Gestaltung Europas zu einem Zeitpunkt als in allen Parteien noch die Politik des „Kalten Krieges“ en vogue war. Dafür habe er in den Vereinigten Staaten später als Außenminister viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Genscher sei dabei mit der von ihm mitgezimmerten und von Ost und West unterzeichneten KSZE-Schlussakte von Helsinki eine überzeugende Antwort auf die Frage gelungen, wie mit Staaten umzugehen ist, die nicht den westlichen Wertekanon teilten. Später beriefen sich Bürgerrechtsgruppen und Dissidenten im gesamten „Ostblock“ auf diese Schlussakte, in welcher die Vertragspartner die „Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Überzeugungsfreiheit“ verankert hatten. Das Eintreten Genschers für eine neue Ostpolitik sei auch Folge seiner Erkenntnis gewesen, dass Außenpolitik kein „Nullsummenspiel“ sein dürfe, bei dem der eine auf Kosten des anderen etwas gewinnt, sondern immer eine „Win-Win“-Situation.