Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Liberale versammeln sich nicht hinter Glücksbannern [Druckversion]




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„Liberale versammeln sich nicht hinter Glücksbannern“
1. Freiheitskongress der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Berlin


Podium, v.l.n.r.: Kersting, Freimuth, Methfessel, Ackermann, Habermann, Schaumann
Ob die Podiumsdiskussion spannend werden würde, daran habe er Zweifel, sagte der Moderator Klaus Methfessel zu Beginn der Runde skeptisch – schließlich säßen nur Liberale auf dem Podium. Seine Skepsis war zwar angebracht, doch 90 Minuten später konstatierte der Moderator zufrieden, dass er sich getäuscht hatte. Das Podium beim 1. Freiheitskongress der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hatte in der Tat ein kontroverses Gespräch geliefert, nicht zuletzt durch einige Rededuelle zwischen Prof. Gerd Habermann, Vorsitzender des Instituts der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer an der Universität Potsdam und Prof. Wolfgang Kersting (Universität Kiel).

Der Freiheitskongress hatte in erster Linie die eine Aufgabe: Das Thema Freiheit wieder ins Gespräch zu bringen. Dies hatte sich die Friedrich-Naumann-Stiftung schon mit der Einführung ihres Namenszusatzes „für die Freiheit“ vorgenommen – der Freiheitskongress, erstmals in Berlin in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG durchgeführt, war einer der Programmhöhepunkte in einem ganzen Strauss von Maßnahmen, mit denen der Freiheitsgedanke verstärkt zurück in die öffentliche Diskussion gebracht werden soll.

Im Publikum: Konrad Schily, Gründungsvorsitzender der Freiheitsgesellschaft und Ulrike Ackermann
Für die Besucher war der Kongress in vielfacher Hinsicht bereichernd. Auf dem Podium konnte er Diskutanten verfolgen, die mit starkem Engagement für die Freiheit stritten – etwas, was man in den meisten Fernsehtalkrunden selten sieht. Neben Habermann und Kersting waren dies noch Fritz Schaumann, Präsident der Kunststiftung NRW, Angela Freimuth, Vizepräsidentin des Landtags von Nordrhein-Westfalen und Ulrike Ackermann, die als Herausgeberin des Buches „Welche Freiheit“ bereits im Frühjahr einen nennenswerten Anstoß für eine neue Freiheitsdiskussion in Deutschland gegeben hatte.

Ulrike Ackermann
Die Sozialwissenschaftlerin und Publizistin war auch eine der drei Vortragenden zu Beginn des Kongresses. Unter dem Titel „Freiheitsliebe – Das kostbare Gut der individuellen Freiheit“ hatte sie darauf hingewiesen, dass die Verschmelzung von Glauben und Gesellschaftsordnung Kultur hat und auch heute noch die Individualisierung in unserer Gesellschaft skeptisch betrachtet wird. Zudem sei nach wie vor die Neigung, sich zu unterwerfen, verbreitet. In diesem Kontext, das bestätigten auch andere Vortragende, habe der Liberalismus im Gegensatz zu anderen Ideologien und Religionen immer ein Handicap: Auf der Suche nach dem letzten Sinn, dem Heil, sei er keine Richtschnur. Derlei biete allerdings der Islam und das auch mit Erfolg, weshalb der Westen dazu übergehen müsse, seine Freiheiten viel offensiver verteidigen.

Prof. Wolfgang Kersting
Eine ähnliche Analyse hatte bereits zuvor Prof. Kersting in seiner Rede „Freiheit und Gesellschaft“ vorgenommen: „Der Liberalismus hat argumentationspolitisch und mentalitätspolitisch versagt. Er wird als negativ empfunden. Er bietet keine ethischen Vollkommenheitszustände.“ Kersting führte in seinem überaus hörenswerten Vortrag weiter aus, der Rechts- und Verfassungsstaat habe sich in einen Sozialstaat verwandelt, für den die hemmungslose Selbstklientelisierung der Bürger bezeichnend sei. Der Staat habe über lange Jahre den organisierten Begehrlichkeiten von Interessengruppen Rückendeckung gegeben – das Ergebnis dieses Prozesses sei seine Allzuständigkeit.




Er kritisierte das Gehabe der selbsternannten Neoliberalismusgegner als „manichäistisches Kasperletheater“, in dem der Markt per se böse, der Sozialstaat gut sei. Nur: Innerhalb des Sozialstaats werde genau so egozentrisch nach dem eigenen Vorteil operiert wie im Markt.

Ludwig-Georg Braun
Ludwig-Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, begann seine Ausführungen mit seinem Ausflug in die Familiegeschichte und schilderte die bürokratischen Schwierigkeiten, mit denen seine Vorfahren vor gut 200 Jahren zu kämpfen hatten, als sie vom Handwerksbetrieb zur Manufaktur expandieren wollten – vieles daran erinnerte erschreckend an die Dinge, die frustrierte Unternehmer heute zu erzählen wissen, wenn ihr euphorischer Gründergeist von Bürokraten geradezu systematisch in Frustration umgewandelt wird.

Wolfgang Gerhardt
Nach einem Tag interessanter Vorträge und angeregter Diskussionen beim 1. Freiheitskongress konnte – mit Besorgnis – konstatiert werden: Die Freiheit ist nicht nur hier und da bedroht, sie ist flächendeckend in Gefahr. Nur wird dies kaum bewusst, da ihre Bedrohungen stets nur punktuell sichtbar werden. Ein zusammenfassendes Bild zur Bedrohungslage zu geben, dies war die eine große Leistung dieses Kongresses. Die andere war die optimistisch stimmende Erkenntnis, dass es ausweislich der auf dem Podium vertretenen Persönlichkeiten Menschen gibt, die mit Herz und Verstand, mit Engagement und analytischer Kraft unbeirrt für den Wert der Freiheit einstehen und für ihn werben. Echte Staatsbürger also, die, wie Wolfgang Gerhardt, es in seiner Begrüßung gefordert hatte, nicht nur Freiheiten fordern, sondern auch Verantwortung zeigen und ein bürgerliches Selbstverständnis, dass nicht dem Staat die Weisheit zuschreibt, wie es sonst nur Kinder im Verhältnis zu ihren Eltern tun, “bis sie mal erwachsen werden.“ Liberale versammeln sich nicht hinter dem Staat, auch nicht „hinter Glücksbannern“, so Gerhardt. Hinter liberalen Geistern, wie sie sich auf dem Freiheitskongress gezeigt haben, versammeln sie sich aber sicher gerne.

Downloads:

Eröffnungsrede von Dr. Wolfgang Gerhardt
Manuskript von Ulrike Ackermann
Manuskript von Prof. Wolfgang Kersting

Hinweis: In wenigen Tagen steht an dieser Stelle auch eine Videoaufzeichnung des Freiheitskongresses zum Download bereit.




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