Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Exzellenzinitiative: Sieger sind wir alle [Druckversion]
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Exzellenzinitiative: Sieger sind wir alle
"Wir brauchen uns wirklich nicht zu verstecken!" So kommentierte der liberale Bildungsexperte Ingo von Münch, Hamburg, die Lage der deutschen Universitäten. Walter Hinderer begründet in seiner Studie "Die deutsche Exzellenzinitiative und die amerikanische Eliteuniversität" im einzelnen, warum Ingo von Münch recht hat. Zwei Nobelpreise für deutsche Forscher in den Naturwissenschaften Physik und Chemie im Jahre 2007 für Peter Grünberg und Gerhard Ertl erinnern an die große Zeit deutscher Universitäten, als zwei deutsche Naturwissenschaftler den Nobelpreis erhielten: 1909 Ferdinand Braun für Physik und für Chemie der Deutsch-Balte Wilhelm Ostwald, Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Am Ende der zweiten Runde der Exzellenzinitiative gab es zu diesen Nobelpreisen auch viele Sterntaler für wissenschaftlich herausragende Projekte. Sechs Hochschulen unter den in der "Förderlinie Zukunftskonzepte" angetretenen acht Hochschulen wurden als Elite-Universitäten ausgewählt. Die RWTH Aachen, die Freie Universität Berlin und die Universitäten Freiburg, Göttingen, Heidelberg und Konstanz.
Die Hinderer-Studie
Walter Hinderer (Princeton) bringt seine Erfahrungen auch in die nächsten Initiativen für Exzellenz in Forschung und Lehre ein: Als Professor in Princeton verfasste er eine Studie für die Reihe „Argumente der Freiheit“ des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Darum geht es: Wie können die deutschen Hochschulen im Wettbewerb wieder den Rang erreichen, der die deutsche Universität von Humboldt bis Einstein und Planck über 150 Jahre in Europa und weltweit ausgezeichnet hat?
Von vielen Beiträgen zu diesem Thema hebt sich Hinderers Studie ab, weil sie von einer Idee der Universität getragen wird, die zeitlos ist: Das „geistige Band“ der Idee verbindet Hinderers Analyse mit seinem unbestechlichen Blick auf die Tatsachen deutscher Hochschulreformen und amerikanischer Eliteuniversitäten. Das ist der Stil des international renommierten Schiller- und Goethe-Kenners Hinderer, als Ausgangspunkt und Orientierung passend zu seinen Versuchen über Schiller „Von der Idee des Menschen“.
Die Vorschläge, die Hinderer für Erfolg im globalen Wettbewerb der Eliten macht, haben ein solides Fundament, auf das deutsche Hochschulpolitiker viel zu wenig gebaut haben: 40 Jahre Erfahrung in Forschung und Lehre eines Schwaben an amerikanischen Universitäten, davon knapp 30 Jahre an der Eliteuniversität Princeton mit ihrem sagenhaften Studenten-Lehrer-Verhältnis zwischen 1:5 und 1:6, auch mit dem größten Stiftungskapital pro Student. Dieser Amerigosuevo Hinderer erläutert mit einer Fülle von Fakten präzise, was amerikanische Hochschulen auf dem Wege zu Exzellenz von der deutschen Universität gelernt haben, selbst noch zu der Zeit, als nach 1914 z.B. die Stiftungsuniversität Frankfurt reicher war als Harvard. Der Leser erfährt auch, was die Stiftungsuniversität Göttingen und/oder den internationalen Ruf von Heidelberg ausmacht – trotz Plätzen in den globalen Rankings, die viele als mittelmäßig bewerten – zu oberflächlich, wie Walter Hinderer im Sinne von Ingo von Münch meint: „Wir brauchen uns wirklich nicht zu verstecken!“
Walter Hinderer
Parallel dazu stützen sich Hinderers Reformvorschläge auf die Analyse vieler Lösungsansätze in der aktuellen Reformdiskussion. Allzu oft werden Elemente der Erfolgsgeschichte amerikanischer Eliteuniversitäten aus ihrem kulturellen Kontext gelöst und eben ohne „geistiges Band“ den deutschen Universitäten aufgepfropft, vor allem ohne die Freiheit in Forschung und Lehre, die amerikanische Privatuniversitäten, im Vergleich zu deutschen Universitäten aber selbst die Universitäten der 50 Bundesstaaten der USA genießen. Selbstverständlich gehört zu dieser Freiheit Dostojewskis „gemünzte Freiheit“, also eine Ausstattung deutscher Hochschulen, die dem Anspruch gerecht wird, Deutschlands Universitäten im Spitzenbereich zu halten oder an die Spitze zu führen.
Dabei macht Hinderer mit genauem Blick auf internationale Ranglisten deutlich, worum es Wolfgang Gerhardt und Ingo von Münch geht: Das Potential in Deutschland ist da. Je dürftiger aber trotz vollmundiger politischer Ankündigungen die finanzielle Ausstattung der deutschen Hochschulen bei drastisch steigenden Anforderungen an Forschung und Lehre bleibt, desto wichtiger wird es für Exzellenz deutscher Universitäten, den Ordnungsrahmen föderalen Wettbewerbs von autonomen Hochschulen zu gestalten.
Hinderer zitiert dazu Wolf Lepenies, Wolfgang Gerhardt und Eckhard Behrens: „Exzellenz und Konkurrenz sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Ein starker Konkurrenzföderalismus, der Wettbewerb zwingend fordert und Wettbewerb angemessen belohnt, tut der Wissenschaft am meisten not.“ „Die Kultur der amerikanischen Universitäten kann man nicht so einfach auf Deutschland übertragen. Aber von der Situation in den USA bei Forschung und Lehre kann man hier lernen, wenn man eine Gewichtung bei der Lehre hinzufügt.“ „ Ein lebendiger Föderalismus hat Freiheit und Mannigfaltigkeit in allen seinen Gliedern zur unabdingbaren Voraussetzung.“ Aber auch das macht Hinderer deutlich: Ohne genügend und dauerhaft verlässliches Geld werde den Leuchttürmen der deutschen Exzellenzinitiative das Licht ausgehen. Deutschlands Universitäten brauchen auch „gemünzte Freiheit“ (Dostojewski).
Bei Hinderers Rat an deutsche Bildungspolitiker muss man ganz genau hinschauen, wie schlechte deutsche Kopien von guten Erfahrungen an Elite-Universitäten vermieden werden können: Wie können Freiheit und Leistungskontrolle fruchtbar zu Spitzenleistung vereint werden? Wie kann man z.B. die Vorzüge der Gestaltungskraft großer Universitätspräsidenten mit Freiheit der Wissenschaftler in Forschung und Lehre vereinen, wie Scheinleistungen durch Zitierkartelle und Seilschaften in den Griff bekommen? Und schließlich: Wie kann die deutsche Universität im Hinderschen Sinne „ihre so lange und glanzvolle Kultur- und Bildungstradition“ aufheben?
Dr. Horst Werner, Liberales Institut
Föderalismusreform und Bildungspolitik
Die Studie "Die deutsche Exzellenzinitiative und die amerikanische Eliteuniversität" von Walter Hinderer können Sie hier herunterladen (PDF) oder hier bestellen. Wir weisen zudem auf die Schrift "Föderalismusreform und Bildungspolitik" von Eckhard Behrens hin, die Sie hier bestellen oder hier als PDF downloaden können.
Veranstaltungen zur Bildungspolitik finden Sie hier.