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Friedrich Naumann - Stiftung für die Freiheit


Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. So lautet der neue Name der Friedrich-Naumann-Stiftung. Dr. Wolfgang Gerhardt erläutert im Interview die Gründe.

Herr Dr. Gerhardt, die Friedrich-Naumann-Stiftung führt jetzt den Titel „Stiftung für die Freiheit“. Zugleich wurde der optische Auftritt überarbeitet. Was war der Grund dafür?

Dr. Wolfgang Gerhardt
Seit Jahren ist in Umfragen zu erkennen, dass der Wert „Freiheit“ im Bewusstsein der Bundesbürger dramatisch an Bedeutung verliert. Für viele rangiert ein recht dürftiger Begriff von Gleichheit weit vor der „Freiheit“. Für andere wiederum reduziert sich der Begriff „Freiheit“ etwa auf Reisefreiheit oder die Freiheit, seine Meinung zu äußern. Die viel weiter reichende umfassende Bedeutung von Freiheit für das Leben jedes Menschen im Sinne von Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Selbstverantwortung ist in der öffentlichen Meinungsbildung und Wahrnehmung fast nicht mehr präsent. Das ist kein guter Zustand, ein Gegensteuern ist dringend erforderlich.

Der Wechsel von „Stiftung für liberale Politik“ zu „Stiftung für die Freiheit“ soll also pointierter ausdrücken, worauf die Stiftungsarbeit abzielt?

So ist es. Natürlich dient liberale Politik immer dem Wert der Freiheit, deshalb werden wir auch weiterhin liberale Politik entwerfen – es ist aber sinnvoller, das Ziel der Stiftungsarbeit zu betonen, als den Weg dorthin. Wir sind davon überzeugt, dass Freiheitspotentiale in vielen Bereichen brach liegen. Wir wollen klar machen, dass Freiheit, Unabhängigkeit, Qualifizierung und Bildung unerlässliche Voraussetzungen für soziale Sicherheit in der Zukunft sind. Unser Programm lautet: Vertrauen in die Freiheit. Keine Angst vor den Freiheitspotentialen.

Liberalen wird häufig vorgeworfen, Freiheit auf Kosten des Gemeinsinns zu predigen…

…ein Unsinn, der auch durch noch so häufiges Behaupten nicht richtig wird. Dort wo ein Höchstmaß an bürgerlicher und wirtschaftlicher Freiheit herrscht, dort herrscht auch Wohlstand, dort befinden sich die Gesellschaften im sozialen Gleichgewicht. Dies belegen eine ganze Reihe nationaler und internationaler Studien. Gerade in freien Gesellschaften herrscht übrigens auch ein hohes Maß an Gemeinsinn, der jedoch gerade durch die überbordende Verlagerung individueller Verantwortung auf den Staat verloren geht. Viele vergessen: Liberalismus ist ein Lebensgefühl, das Freiheit und Verantwortung vereint. Wir brauchen eine neue Kultur der Verantwortung des Einzelnen in unserer Gesellschaft, denn wir trauen den Menschen zu, für sich selbst entscheiden zu können. Diese Grundsätze ziehen sich durch die gesamte Stiftungsarbeit: Sei es bei der Stipendiatenförderung, die sehr stark auf Selbstorganisation des akademischen Nachwuchses setzt oder bei der Auslandsarbeit der Stiftung, die nicht nur für die Schaffung von mehr Freiheitsräumen steht, sondern auch für deren verantwortungsbewusste Nutzung. Für uns ist das Ethos der eigenen Verantwortung die Grundlage der Solidarität.

Dass der Wert der Freiheit nicht gerade Konjunktur hat, mag verschiedene Gründe haben – Angst vor Freiheit und der Übernahme von Verantwortung, fehlende Wertschätzung aufgrund fehlender Bildung…

Beides trifft zu. Die Bürger müssen ermutigt werden, ihr eigenes Leben wieder stärker selbst zu verantworten. Bildung und Erziehung müssen zu einem Leben in Freiheit befähigen. Die Politik darf die Menschen nicht daran hindern, ihre eigenen Angelegenheiten zu erledigen. Freiheitliche Politik muss die Bürger auf allen Feldern wieder in ihre Rechte einsetzen. Sie haben ein Recht auf Chancen, ein Recht auf Zukunft, ein Recht auf Wahlmöglichkeiten, ein Recht auf Privatheit im täglichen Leben, am Arbeitsplatz, in den sozialen Sicherungssystemen und bei der privaten Vorsorge. Nicht der Staat gewährt den Bürgern gnädigerweise Freiheit, sondern die Bürger gewähren dem Staat Einschränkungen ihrer Freiheit zur Wahrung der Rechte aller. Schlimm genug, dass man daran erinnern muss. Und deshalb ist es mehr denn je notwendig, den Bürgern entsprechende Bildungsangebote zu machen. Wo immer es möglich ist, werden wir dazu beitragen, Angst vor der Freiheit in Freude an der Freiheit zu verwandeln.

…was kein leichtes Unterfangen ist!

Gerade deshalb sind Anstrengungen erforderlich. Man darf nicht vergessen: Argumente für die Freiheit gibt es zuhauf. Nehmen Sie nur die von mir angesprochenen Studien, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Wohlstand, persönlicher und wirtschaftlicher Freiheit herstellen und das weltweit. Viel zu wenige Menschen wissen um diese Zusammenhänge. Das nutzen andere aus: In den öffentlichen Debatten der letzten Zeit versuchen immer mehr Politiker verschiedenster Couleur uns weiszumachen, der Staat könne durch eine Vielzahl an Regelungen und Verboten die Probleme der Gegenwart lösen. Das ist nicht nur falsch, es ist auch gefährlich. Staatliche Regulierung lähmt Initiative und zerstört Vielfalt – dafür gibt es endlos viele Beispiele. Nach einer Erfolgsgeschichte staatlicher Regulierung können Sie dagegen lange suchen. Freiheit dagegen erzeugt Vielfalt, führt zu schnellen Lösungen für drängende gesellschaftliche Probleme. Freiheit lohnt sich und wir werden jeden dabei unterstützen, Freiheit zu leben, zu nutzen und vom Staat einzufordern.

Herr Dr. Gerhardt, vielen Dank für das Gespräch.




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