Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Zum Freiheitsbegriff in Deutschland und den USA [Druckversion]




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Freiheit, die wir meinen. Zum Freiheitsbegriff in den USA und in Deutschland
Diskussionsveranstaltung im Amerikanischen Generalkonsulat Hamburg


Freiheit kann und wird durchaus recht unterschiedlich begriffen werden. Dies wurde im Rahmen der Diskussionsveranstaltung im Amerikanischen Generalkonsulat Hamburg deutlich. Der Kooperationspartner der Stiftung hatte in sein Haus eingeladen, um ein Thema mit deutschen Gästen zu diskutieren, das grundlegend für das amerikanische Selbstverständnis ist.
Generalkonsulin Karen E. Johnson
Eingangs sprach Generalkonsulin Karen Johnson nicht nur die historischen Ursprünge an, sondern erläuterte auch, was Freiheit für sie ganz persönlich bedeutet - ihre vorherige Mission hatte in Afghanistan stattgefunden. Für den Abend konnte ein Referent gewonnen werden, der die deutsche wie die US-Sicht gleichermaßen kennt: der Deutsch-Amerikaner Prof. Michael Pfau von der University of San Diego, USA.

Prof. Michael R. Pfau
Im Englischen gibt es für Freiheit zwei Übersetzungen: Freedom und Liberty. Freedom bedeutet - „Freiheit von“, Freiheit von Unterdrückung, von Bevormundung. Das ist kollektive Freiheit; Freiheit, die für alle gleichermaßen gilt. Liberty hingegen ist „Freiheit um“, der Begriff bezeichnet den eigentlichen Zustand des Freiseins als die Voraussetzung, sich frei entfalten zu können. Es ist Freiheit, die von den einzelnen Menschen ganz unterschiedlich genutzt wird, also individuelle Freiheit. Amerikaner verstehen Freiheit vor allem im Sinne von liberty, als individuelle Freiheit. Deutsche begreifen Freiheit vor allem im Sinne von freedom, als kollektive Freiheit von Unterdrückung oder Bevormundung.

Durch den einleitenden historischen Exkurs wurde deutlich, dass Freiheit in den USA erkämpfte Freiheit, sozusagen Freiheit von unten, war und noch immer als solche verstanden wird. In Deutschland hingegen war Freiheit etwas, was Menschen zuteil wurde, durch Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, also Freiheit von oben. Dieses Verständnis herrscht noch immer vor. Aus diesem fundamentalen Unterschied erwuchs und manifestierten sich unterschiedliche Beziehungen zur Freiheit.

In den USA steht Freiheit an erster Stelle, den Bürgern wird ein größtmögliches Maß von Freiheit gewährt, Sicherheit kommt erst danach. Man vertraut dem Bürger und geht davon aus, dass er seine Freiheit positiv verwenden wird. An etlichen Beispielen konnte dieses Verständnis und dieser Zustand illustriert werden: Wenn Schriftstücke beglaubigt werden sollen, geht man in den USA mit der Kopie zum Notar und schwört, dass die Kopie dem Original entspricht. Das genügt, um eine Beglaubigung zu erlangen. US-Bürger dürfen Waffen besitzen, es gibt nur wenige Einschränkungen, was den Waffenbesitz anbelangt. Noch vor etwa zwei Wochen hatte der Oberste Gerichtshof das verfassungsmäßige Recht auf Waffenbesitz in einem Urteil bestätigt.

Prof. Michael R. Pfau im Gespräch mit Petra Beckmann-Schulz
Wenn solche (und andere) Freiheiten aber missbraucht werden, etwa kein Original für die zu beglaubigende Kopie existiert oder Menschen mit Waffen Verbrechen begehen, drohen oft drakonische Strafen, bis hin zur Todesstrafe.

In Deutschland steht Sicherheit weit vorne. Um bei den Beispielen zu bleiben: Für eine notarielle Beglaubigung legt man Kopie und Original vor und beweist an Ort und Stelle die Übereinstimmung. Waffenbesitz – unabhängig davon, dass er keine Rolle in unserer politischen Kultur und Geschichte spielt - ist nicht vorgesehen.

In der lebhaften Diskussion kamen weitere Beispiele und Aspekte zutage, die die Unterschiedlichkeit der beiden Staaten, vor allem in Bezug auf das Freiheitsverständnis, verdeutlichten. Dass Überzeugungen und Normen (das Recht, Waffen zu tragen, ist im 2. Verfassungszusatz aus dem 18 Jh. verankert) über Jahrhunderte hinweg stabil (wenn auch im eigenen Land nicht unumstritten!) sein können, ist auf die ungebrochene geschichtliche und Verfassungstradition zurückzuführen. Im Vergleich dazu hatte Deutschland allein im 20. Jahrhundert fünf verschiedene politische Systeme und entsprechend oft Grund und Anlass, über die Fehler, die zum Scheitern des jeweiligen politischen Systems führten, nachzudenken und diese zu beheben.

Petra Beckmann-Schulz

Die Stiftung in Hamburg




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