Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - „...weil wir glauben, dass Freiheit unteilbar ist“ [Druckversion]




„...weil wir glauben, dass Freiheit unteilbar ist“


Bei der Jubiläumsveranstaltung in Wiesbaden zum 50-jährigen Stiftungsgeburtstag standen die Auslandsarbeit und das Archiv im Mittelpunkt.

„Wir tun das, weil wir glauben, dass Freiheit unteilbar ist“


Sascha Tamm
„Wir tragen mit der Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Ausland letztlich dazu bei, dass wir hier in Freiheit und Wohlstand leben können“, erklärte Sascha Tamm, Referatsleiter Südosteuropa bei der Jubiläumsveranstaltung des Regionalbüros Wiesbaden, die im Presseclub der hessischen Landeshauptstadt stattfand. Seit den 60er Jahren ist die Friedrich-Naumann-Stiftung im Ausland aktiv – am Anfang mit klassischen Maßnahmen der Entwicklungspolitik. „Da hat die Stiftung in Lateinamerika Fischkutter gekauft und sie Fischer-Kooperativen zur Verfügung gestellt. Die Boote hießen dann Naumann I bis Naumann VI“, erklärte Tamm.

Heute ist die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in über 60 Ländern präsent. Etwa die Hälfte des Etats fließt in die Auslandsarbeit. „Das, was wir da machen, ist letztendlich Friedensförderung“, so Tamm. „Wir tun das, weil wir glauben, dass Freiheit unteilbar ist.“ In einigen Ländern fänden unter dem Dach der Stiftung Dinge statt, die andere Träger gerade nicht machten, erklärte Tamm. In dem Büro in Israel arbeiteten beispielsweise sowohl Mitarbeiter aus Israel als auch aus Palästina. „Das ist nicht immer einfach“, gab Tamm zu. Besonders beeindruckten die Zuhörer in Wiesbaden der Bericht aus dem „letzten so richtig kommunistischen Land“. In Nordkorea führt die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit als einzige politische Stiftung Seminare durch. „Wir wurden damals gefragt, ob wir das machen wollen“, erklärte Tamm. „Natürlich können wir dort nicht einfach auf die Straße gehen und unsere Broschüren verteilen. Wir machen da Seminare zu Privatisierung und Transformation zur Marktwirtschaft.“

Ein Beispiel für eine sehr erfolgreiche Beratung sei die Reformpartei in Estland. Diese Partei wurde von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit von der Gründung an begleitet und ist heute Regierungspartei. „Allerdings ist der Erfolg bei der Arbeit mit Parteien oft sehr wechselhaft“, musste Tamm zugeben. In jedem Land gebe es „Kräfte, die gegen die Freiheit arbeiten“. Und so sieht er den Arbeitsauftrag für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Ausland noch lange nicht erfüllt.

“Gründungsmythos“ entzaubern

Wiesbaden: Parkanlage Warmer Damm mit Hessischem Staatstheater
Die inhaltliche Entwicklung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit wurde von der Leiterin des Archivs des Liberalismus, Monika Faßbender, nachgezeichnet. Sie führte die Zuhörer durch die fünf Jahrzehnte Stiftungsarbeit, die in den 60er Jahren durch eine gewisse „Ferne zur Partei“ gekennzeichnet gewesen sei. „Von den 15 Gründern waren sechs nicht Mitglied der FDP und nur zwei der Gründer gehörten zur Führung der FDP“, versuchte Fassbender den, wie sie es nannte, „Gründungsmythos“ zu entzaubern. In den 70er Jahren sei es dann zu einer Art „Symbiose“ von Partei und Stiftung gekommen, die eigenständige Rolle der Stiftung habe sich erst in den 80er Jahren entwickelt. Heute könne die Stiftung auf etwa zwanzig Jahre Arbeit mit eigenem politischen Profil zurückblicken. Die Arbeit sei unmissverständlich am Wert der Freiheit ausgerichtet, was in den Themenschwerpunkten zum Ausdruck komme. „Das Verhältnis zwischen Partei und Stiftung ist geklärt“, stellte die Historikerin fest.




Jahresbericht 2007
Mit einem kleinen Streifzug durch die gar nicht so trockenen Jahresberichte der Stiftung warf die Journalistin Maria-Christina Nimmerfroh einen anderen Blick auf das Geschehen der letzten 50 Jahre in der politischen Bildung. So wurde im Jahresbericht von 1959 die „intellektuelle Jugend“ als „wortgewandt, fragelustig, lernbegierig, intelligent und respektlos bezeichnet“, die sich zudem in Veranstaltungen stark an der Aussprache beteilige. Schon zehn Jahre später, 1969, stellte die Stiftung allerdings fest, dass der klassischen Veranstaltung aus Wechselspiel von Referat und Diskussion kein großer Lernerfolg beschieden sei. So „manövriere“ Referat und Diskussion bei nur geringer Gruppenarbeit die Teilnehmer in eine „passive Situation“ geradezu herein und diese Passivität habe letztlich auch Unaufmerksamkeit der Referate zufolge. Mit „Intensivformen der Gruppenarbeit“ gelänge allerdings die „beabsichtigte Aktivierung vollauf“ und die Teilnehmer würden „nahezu sämtlich“ zur Mitarbeit und Parteinahme veranlasst werden, so dass kaum noch die Möglichkeit einer „anonymen, lethargischen und letztlich also unergiebigen Anwesenheit“ bestehe. Die vielen interaktiven Elemente zählen noch heute zu den wichtigen Elementen der Seminare.

Demokratiegefährdende Mediokratie?

Wieder zehn Jahre später, 1979, wendete sich der Jahresbericht geradezu prophetisch den neuen Medien zu und fragt: „Steht uns mit Kabel- und Satellitenfernsehen eine demokratiegefährdende Mediokratie ins Haus, eine „Herrschaft“ der technischen Kommunikationsmedien, die unsere Freizeit besetzen, und eine „Herrschaft“ inhaltlicher Mittelmäßigkeit?“ Darüber hinaus sei es ein Irrtum zu glauben, dass Kommunikation grundsätzlich verbinde. Kommunikation könne „ebenso trennen und zerstören“. Das gelte besonders für indirekte Kommunikation mit Hilfe von technischen Medien. „Unzweifelhaft ist die Gefahr der Isolation des Einzelnen, der Abkapselung von Gemeinwesen, trotz aller neuen, beeindruckenden Möglichkeiten zusätzlicher Kommunikation.“

So fordert der Jahresbericht die kommunikationstechnische Entwicklung „qualitativen Maßstäben“ zu unterstellen, „will man nicht in eine postindustrielle Kommunikationsgesellschaft hineinsteuern, die nichts weiter ist als ein geschwätziges Gehäuse der Entfremdung ist.“ Auch die Resonanz auf Seminare wurde in den Jahresberichten festgehalten, so war 1989 zu lesen: „Das Seminar ‚Witz und Politik in der Bundesrepublik’ hatte eine enttäuschende Teilnehmerzahl und eine überragende Medienresonanz: Den 24 Teilnehmern standen 13 Berichterstattungen in Presse, Funk und Fernsehen gegenüber.“

Ebenso war die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit immer aktuellen Themen auf der Spur. Als im Jahr 1988 die Fußballeuropameisterschaft in Deutschland stattfand, diskutierte im politischen Club der damalige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mischnik, der auch Verwaltungsmitglied Frankfurter Eintracht war, mit Sportjournalisten über das Thema „Fußball, Fußball über alles?!“ Zum liberalen Geist, der die Jubiläumsveranstaltung in Wiesbaden eifrig umwehte, passte auch das Abschlusslied: Es ging um das Bruttosozialprodukt.

Maria-Christina Nimmerfroh

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