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Rainer Erkens: Braucht Afrika mehr Entwicklungshilfe?

Rainer Erkens, Referatsleiter im Institut für Internationale Zusammenarbeit und Politikberatung der Friedrich-Naumann-Stiftung.


Für die meisten Experten, aber auch für viele Bürgerinnen und Bürger scheint die Antwort auf die Frage, ob Afrika mehr Entwicklungshilfe benötigt, auf der Hand zu liegen. Sie interessiert allenfalls, ob sich die Zuwendungsgeber in Anbetracht von engen öffentlichen Haushalten mehr Geld für Afrika überhaupt leisten können.

Afrika – hier verstanden als die 48 Staaten in und südlich der Sahara – macht nach wie vor in den Medien in erster Linie durch traurige Bilder und Nachrichten von Flüchtlingselend und Bürgerkriegen, Aids-Kranken und Kindersoldaten auf sich aufmerksam. Ein Kontinent, wo nach Angaben der Weltbank zwar 11,4% der Menschheit zu Hause sind, aber nur 2,5% des weltweiten Sozialprodukts erzeugt werden, ein Kontinent, dessen gesamter Anteil am Welthandel dem des kleinen Belgien entspricht – ein solcher Kontinent drängt sich als Empfänger für vermehrte Hilfe geradezu auf. Die vom britischen Premier Tony Blair geleitete »Commission for Africa« will die Entwicklungshilfe für Afrika binnen weniger Jahre von ca. 24 Mrd. US-Dollar im Jahre 2003 auf jährlich rund 80 Mrd. Dollar hochfahren. Ähnliche Zahlen werden vom »United Nations Millennium Development Project« genannt, dessen Vorsitzender Jeffrey Sachs sich als unermüdlicher Vorkämpfer für mehr Geld für Afrika einen Namen gemacht hat. Afrikas Staatsund Regierungschefs mahnen ohnehin bei jeder Gelegenheit an, dass die heutige Entwicklungshilfe nicht reiche. Dabei treffen Blair oder Sachs und Afrikas Führer durchaus auf Verständnis. Die für die Entwicklungshilfe maßgebliche »Ökonomie des Herzens« war schon immer Afrikas bester Verbündeter, freilich zugleich auch, wie noch zu zeigen sein wird, ihr größter Feind. Das Treffen der wichtigsten Industriestaaten (G8) im Juli 2005 in Gleneagles hat schließlich einer Verdoppelung der Entwicklungshilfe für Afrika von 23,8 Mrd. US-Dollar im Jahre 2003 auf 50 Mrd. US-Dollar im Jahre 2010 zugestimmt. Teil der Hilfe soll zudem ein umfassender Schuldenerlass sein. Kann man es also verantworten, gegen mehr Entwicklungshilfe für Afrika zu sein? Leistet man damit nicht der Armut auf dem Kontinent Vorschub? Die Antwort auf diese Fragen verlangt, dass man sich daran erinnert, was eigentlich Entwicklungshilfe dem Namen und der Intention nach bewirken soll: Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen helfen, möglichst rasch auf eigenen Füßen zu stehen. Dass dieses Ziel nach mehr als vier Jahrzehnten Entwicklungshilfe auch nur in Ansätzen erreicht oder doch wenigstens in greifbare Nähe gerückt sei, wird allerdings niemand im Ernst behaupten können. Der Zustand des Kontinents stellt grosso modo weder den einheimischen Politikern noch den Zuwendungsgebern ein gutes Zeugnis aus. Das ist kein Zufall. Längst haben viele erkannt, dass Entwicklungshilfe die falschen Anreize setzt. Das gilt ungeachtet der unbestreitbar hohen Motivation und des Engagements Vieler, die in der Entwicklungshilfe tätig sind, und ungeachtet mancher Einzelerfolge. Die Entwicklungshilfe hat insgesamt dazu geführt, dass sich Afrikas politische Elite daran gewöhnt hat, von außen alimentiert zu werden. So braucht man nicht den mühsamen Weg zu beschreiten, zu Hause Wachstumskräfte freizusetzen und unternehmerische Initiative zu honorieren.


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