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| Hambacher Fest |
Der FDP-Landesvorsitzende Rainer Brüderle ging gleich in seinem Begrüßungsstatement auf die Forderungen und Anliegen der seinerzeitigen Bürgerbewegung ein um dann einen Bogen zu den zeitgenössischen Kontroversen um Freiheitsrechte in Deutschland zu schlagen. Eindringlich warnte er vor Freiheitsgefährdungen: „Die Gespenster von gestern haben immer wieder neue Kostüme.“ Und er erinnerte an den damaligen patriotischen Geist für ein freies Land in einem friedlichen Europa. Ein Geist, der auch heute gut täte.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag und frühere Justizminister des Landes, Herbert Mertin, nahm in seinem Redebeitrag Bezug zur neuerlichen Karikaturendebatte. Jeder habe das Recht, diese Bilder zu kritisieren; wer aber dazu aufrufe, so etwas mit Gewalt zu verhindern, stelle sich außerhalb des Rechts und gehöre nicht hierhin. Auch er wünschte sich eine stärkere emotionale Bindung der Bevölkerung an unser Gemeinwesen und schlug vor, den 3. Oktober als den Tag von Einheit und Recht und Freiheit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu heben und ihn wirklich zu feiern. Die Deutschen könnten stolz sein auf diese große politische Leistung.
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| Joachim Gauck |
Freiheit durch Sozialismus?
Freiheitsbewegungen und –bestrebungen in Deutschland seien zwar häufig mit bitteren Niederlagen verbunden gewesen. Gleichwohl müsse an sie erinnert werden. Ausdrücklich forderte er eine Revitalisierung des 17. Juni als einen Tag des gemeinsamen Gedenkens.
Es sei nur schwer nachvollziehbar, wieso nach dem Ende des imperialen Herrschaftssystems 1989/90 die Freude darüber so schnell wieder nachgelassen habe. Die Tatsache, dass im Osten Deutschlands, wo nur 20 % der Gesamtbevölkerung lebten, 50 % der rechtsextremen Straftaten verübt würden, habe zwar auch mit wirtschaftlichen Problemen zu tun; aber hier zeige sich vor allem ein ungutes Erbe einer vormodernen Kultur, in der diskursive Wahrheitsfindung über ein halbes Jahrhundert nicht stattgefunden habe: ein politisches Klima der Nicht-Zivilgesellschaft, wo altdeutsche finstere Anschauungen von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus hätten überleben können.
Freiheit durch Sozialismus? Für Gauck eine Unverfrorenheit und Dreistigkeit sondergleichen. Als Kind und Jugendlicher sei er mit all den neuen Vokabeln von „neuer Gesellschaft“ und „neuen Menschen“ konfrontiert worden, wo vermeintlich alles besser sei als im kapitalistischen Westen. Gleichzeitig habe er als 11-jähriger erleben müssen, wie sein Vater „wegen nichts“ nach Russland verschleppt wurde und erst viele Jahre später zurückkehren durfte.
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