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Kultur- und Kreativwirtschaft: Europas Zukunft?

Moderation: Dieter Moor
Im Anschluss an diese einführenden Statements gaben – moderiert von Dieter Moor (3sat „kulturzeit“) – Referenten aus verschiedenen Staaten Europas einen Überblick über Stand und Entwicklungschancen der Kulturwirtschaft ihrer Heimatländer. Joachim Geppert (MKW Wirtschaftsforschung, Saarbrücken) stellte zu Beginn gesamteuropäische Eckdaten in Sachen Kulturwirtschaft vor. Was den Erkenntnisstand der europäischen Politik zur Bedeutung dieser Branche anbelangt, gab sich Geppert allerdings weniger optimistisch als seine Vorredner: Noch immer werde Kultur als Bestandteil der EU-Wirtschaft weder von der Politik noch von der Wirtschaft oder der Bevölkerung „als innovativer und kreativer Wachstumsmotor ausreichend wahrgenommen“. Im Hinblick auf diese Faktoren führe die Kultur noch immer „ein Schattendasein“.

Experten auf dem Podium, Experten im Publikum
Ins Detail gingen dann – mit streckenweise sehr engagierten Vorträgen - die Referenten Prof. Dr. Emanoil Ancuta (Bukarest; „Kultur- und Kreativwirtschaft nach der rumänischen Revolution“), Petra Nilsson-Andersen (Oslo; „Nordische Strategien für die Professionalisierung der Kulturwirtschaft“), Anna Stępniwska (Warschau; „Kulturwirtschaft in Polen – aktuelle Herausforderungen“) und Dr. Andy C. Pratt (London; „Von den Creative Industries zur Ökonomie der Kultur: Herausforderungen für politische Entscheidungsträger“).

Jaques Toubon
Eine Einordnung der Kreativwirtschaft im Kontext des globalen Wettbewerbs nahmen sodann der Vorsitzende des Deutsch-Französischen Kulturrats, Jaques Toubon, und Simon Ellis , Abteilungsleiter Wissenschafts-, Kultur- und Kommunikationsstatistik der UNESCO, vor. Toubon betonte dabei den Anteil der Politik an der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des Kulturbetriebs, wie er sich etwa im inzwischen auf etwa 30 Prozent gestiegenen Anteil deutscher Filme in deutschen Kinos zeige. Er betonte die Notwendigkeit einer den Mitgliedstaaten neutralen EU-Kulturpolitik, die sich erst kürzlich in der Einstellung des Verfahrens zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland manifestiert habe.

Stefan Arndt, Anna Somers Cocks
Dann änderte sich die Perspektive des Kongresses mit der Frage, welche Rolle Europas Kreativwirtschaft in der Welt spielt. Exemplarisch stellten Vertreter verschiedener Kulturzweige ihre Position im Weltmarkt dar. Gilles Tinayre aus Paris nannte Eckdaten für den Bereich der Filmmusik, Lorraine Fannin, Ko-Gründerin von Edinburgh UNESCO City of Literature, für das Verlagswesen, Stefan Arndt (X-Filme, Berlin) für die Filmproduktion, Anna Somers Cocks (The ArtNewspaper, Turin) für den Bereich Printmedien/Presse und Catherine Hickley von Bloomberg News für den Kunstmarkt. Die Bereiche Musik, Design und TV-Industrie analysierten Mark Chung (Freibank GmbH, Hamburg), Henrik Otto (Elektrolux, Stockholm) und die ARD-Generalsekretärin Dr. Verena Wiedemann ab. Stefan Jaeckel von Stage Entertainment schließlich steuerte Zahlen aus der subventionsfreien und gewinnträchtigen Musicalbranche bei.

Dr. Roland Bernecker
Dass sich die Kongressteilnehmer inspiriert zum abendlichen Get together in der Berliner Villa Elisabeth zusammen finden konnten, lag nicht zuletzt an dem anregenden Zwiegespräch, das zum Abschluss des ersten Kongresstages Bernd Fesel vom Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft und der Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, Dr. Roland Bernecker führten. Ganz im Sinne des eingangs erwähnten Einstein-Zitats („Nicht alles was gezählt werden kann, zählt; nicht alles was zählt, kann gezählt werden.“) wurde Kultur nun noch einmal als Medium und Faktor der Freiheit herausgestellt und die öffentliche, politische Verantwortung für den Kulturbetrieb betont. Dennoch werde es als positives Signal gewertet, dass die EU – so der Brüsseler Flurfunk – in Zukunft ihre Kulturförderung nicht mehr nur auf nichtkommerzielle Projekte beschränken wolle.

Weitere Downloads aus den Panels des zweiten Tages:
Istvan Hiller : Kulturwirtschaftspolitik in Ungarn
Philippe Kern : Die Ökonomie der Kultur: Vorschläge für eine europäische Strategie
Bernardo Pizarro Miranda : European Creative Industries: Coherent Policy in a Global World
Marice Cumber : Knowledge Transfer for the Creative Industries
Katalin B. Hegedüs : The Hungarian Institute for Culture and Arts
Gabriala Tudor : What is United Experts Today?
Michael Söndermann : Europäische Kultur- und Kreativwirtschaft im globalen Kontext
Dr. Hans-Georg Knopp : Kreativwirtschaft - Neue Impulse für die Auswärtige Kulturpolitik

Link zur Kulturwirtschaftskonferenz

Lesetipp: Wolf Lotter: Die Gestörten. Deutschland begibt sich auf die Suche nach der Creative Economy, dem Schlüssel zur Wissensgesellschaft.

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