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Bonn: Festakt 50 Jahre für die Freiheit

Ungleichheit als Quelle von Anstrengung, Kreativität und Dynamik

Bundespräsident Prof. Köhler
„Im Zentrum liberalen Denkens,“ sagte der Bundespräsident, „steht ein Menschenbild, das jedem Menschen etwas zutraut – und deshalb etwas von ihm erwartet. Wir sind gefangen in unserer Unzulänglichkeit, sagt dieses Menschenbild, aber wir sind zur Freiheit begabt. Jeder hat Ideen und Talente, und die Einzigartigkeit eines jeden von uns verlangt danach, Berücksichtigung zu erfahren.“ Deshalb bedeute Freiheit zwangsläufig auch immer Ungleichheit. Ungleichheit aber könne auch die Quelle von Anstrengung, Kreativität und Dynamik sein. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit habe in 50 Jahren viel Gutes auf den Weg gebracht und sich einiges damit vorgenommen, „Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit unter einen Hut“ bekommen zu wollen. Der Bundespräsident schloss sein Grußwort mit dem Wunsch, die Stimme der Stiftung möge „auch weiterhin deutlich vernehmbar“ bleiben – „beratend, wenn nötig mahnend.“ Und: „Ich wünsche unserer Demokratie einen großen Reichtum an Demokraten, wie Friedrich Naumann einer war.“

Samdhong Rinpoche, Rolf Berndt
Schon nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Stiftung und dem Grußwort des Bundespräsidenten war den Gästen im Saal klar: Hier, zum Jubiläum der Stiftung, entzündet sich eine grundlegende und qualitätsvolle Debatte um den Wert der Freiheit in der heutigen Gesellschaft. Es überraschte niemanden, dass diese Debatte durch die folgende Festrede des großen Liberalen Lord Dahrendorf vertieft, präzisiert und in einer Weise angeregt werden wurde, wie es eben nur ein großer Liberaler vermag.

Ein willkommenes, antizyklisches Signal

Lord Ralf Dahrendorf
Ihm, als dem etwas ferner stehenden, sei in London nicht entgangen, sagte Dahrendorf, „dass auf den Briefbögen der Stiftung der Name Friedrich Naumanns jetzt ein bisschen kleiner gedruckt wird.“ Dafür – so spielte Dahrendorf auf den Namenszusatz an, den sich die Stiftung im vergangenen Jahr gab – komme deutlich die Absicht des gegenwärtigen Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt heraus: Stiftung für die Freiheit. „Das ist ein Signal. Es ist ein willkommenes, aber auch ein antizyklisches Signal“, fuhr der frühere Vorsitzende fort und ergänzte: „Von der Freiheit ohne Wenn und Aber reden heute nur wenige.“

Den platten Fernsehtalkrunden, die in den deutschen Massenmedien etwa unter dem Stichwort „Reiche immer reicher und Arme immer ärmer“ geführt werden, ging Lord Dahrendorf – vielleicht für viele überraschend – nicht aus dem Weg; im Gegenteil: Er griff das Reizthema „Managergehälter“ auf und wies darauf hin, dass die Bezieher hoher Gehälter „das Geld ja nicht in 1000-Euro-Noten in ihre Safes“ legten, sondern vielmehr „Menschen, Sicherheitsexperten und Hausgehilfen, Yachtmannschaften in Mittelmeerhäfen und Piloten für die 6000 privaten Gulfstream-Jets“ beschäftigten und „natürlich die Bauarbeiter für die Mauern“ rings um deren Luxusghettos. „Die Superreichen als Arbeitgeber – ein unausgeschöpftes soziales Thema.“

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