Heinrich August Winkler: Die Deutschen und ihre Freiheit
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| 2. Berliner Rede zur Freiheit |
Mit den 540 Zuhörern setzte Winkler zu einer tief in der Vergangenheit beginnenden Reise durch die deutsche Geschichte an, ausgehend von der Frage, ob für das Unvermögen der Deutschen, aus eigener Kraft eine liberale Demokratie im westlichen Sinn zu errichten, eine besondere deutsche Haltung gegenüber der Freiheit eine Rolle gespielt habe. Winkler führte im Verlauf seines Vortrags viele Gründe an, die das Urteil des amerikanischen Historikers Leonard Krieger untermauerten, in Deutschland habe es seit jeher nur eine Verbindung von zwei unterschiedlichen Auffassungen von Freiheit gegeben: einer Freiheit, „die nur innerhalb des Obrigkeitsstaates verwirklicht werden konnte, und einer anderen, die nur in einem absoluten Reich jenseits aller Staaten zu verwirklichen war.“
Warum keine Revolution in Deutschland?
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| Heinrich August Winkler |
Wer nach Erklärungen suche, warum es in Deutschland nicht zu einer Revolution nach Art der französischen von 1789 kam, könne diese vor allem im Aufgeklärten Absolutismus finden. „Nicht die deutsche Reaktion, sondern der deutsche Fortschritt hat Deutschland gegenüber dem Westen zurückgeworfen“ – in diesem Paradoxon habe der Historiker Rudolf Stadelmann 1948 seine Antwort auf diese Frage zusammengefasst. „Nur die Idee der Revolution von oben und die Praxis des aufgeklärten Verwaltungsstaates, nur das Vorbild von Herrschern, die als Freunde des Volkes und gerade des niederen Volkes einen Ruf besaßen, weit über die Grenzen ihres Staates hinaus, war stark genug, den Wettbewerb mit der Erklärung der Menschenrechte aufzunehmen. Das Ideal der Revolution von oben hat dem Deutschen das Gefühl vermittelt, dass er keinen fremden Import brauchte, um sein Haus in Ordnung zu halten. Und es waren nicht die Fürsten selbst und ihre Beamten, sondern das aufgeklärte literarische Bürgertum, welches dieses Verfassungsideal pflegte.“
Das soziale Freiheitsverständnis der Deutschen
Im Scheitern der Revolution von 1848 machte Winkler sodann einen bedeutsamen Punkt mit „verhängnisvollen Folgen für das politische Bewusstsein der Deutschen aus: Es blieb obrigkeitlich verformt.“ Und so wurde dann 1871 die nunmehr im Vordergrund stehende Einheitsfrage geklärt, die Freiheitsfrage dagegen, „wenn man darunter die Einführung einer parlamentarisch verantwortlichen Regierung verstand, blieb hingegen ungelöst.“
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