Liberales Blogger-Woodstock in Gummersbach
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| Müller, Maxeiner, Hartwich, Messmer |
Montgomeries ConservativeHome ist kein Einzelfall, er nannte weitere Aufsehen erregende Blogs, die im politischen Leben des Vereinigten Königreichs eine bedeutende Rolle spielen, etwa
Burning our Money mit dem für Liberale wohlklingenden Untertitel „How government spends the money we earn and how we can stop them“. Manfred Messmer, Betreiber des in der Schweiz ansässigen Blogs
arlesheimreloaded, hatte sich Tags zuvor noch skeptisch über den Einfluss geäußert, den Blogs auf die Politik haben könnten. Nach Montgomeries Vorstellung rief er spontan in die Runde: „Ich nehm’ alles zurück, was ich gestern gesagt habe.“ Die These jedenfalls, das Internet werde die größte Dezentralisierung von Macht bringen, die man je gesehen hat, klang nach dem Vortrag des Machers von ConservativeHome bei weitem nicht mehr so verwegen, wie es auf den ersten Blick schien.
Fortschritt, der der Gutenbergschen Revolution gleichkommt
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| Die Achse des Guten |
Gleiches gilt für das Statement von Michael Miersch, nach dem das Internet eine Form von Journalismus ermöglicht, der ohne „Gatekeeper“, also leitende Redakteure und Verleger mit Schleusenwärterfunktion, auskommt – ein „unglaublicher Fortschritt, der der Gutenbergschen Revolution gleichkommt.“ In der Tat spricht vieles dafür, dass die vom Bundesverfassungsgericht geprägte Formel von der Rolle des Rundfunks und der Presse als „Medium und Faktor der öffentlichen Meinungsbildung“ bald
jedermann zukommt. Eine Erkenntnis, die den auf den ersten Blick phrasenhaft daherkommenden Untertitel der Veranstaltung „neue Netzwerke in der virtuellen Bürgergesellschaft“ mit Leben füllt. Mit Dirk Maxeiner, Michael Miersch
(Achse des Guten) und Tomislav Rus
(oekologismus.de) saßen Teilnehmer in der Gummersbacher Runde, die exemplarisch für die Möglichkeit stehen, durch das Internet eine mediengemachte Ein-Meinungs-Welt – hier im Bezug auf die Klimadebatte – zu knacken und Diskussionen in Gang zu halten. Blogs wie die Achse des Guten sind nicht mehr nur Medium, sie sind – gerade dank ihrer Freiheit – zum Faktor geworden.
Allemal eröffnen Blogs schon heute Wissenswelten, die einem Zeitungsleser nur schwer zugänglich sind, der sich mit oft langatmig vorsortierter Ware begnügen muss. Sie liefern nicht nur schnelle Informationen von Brennpunkten dieser Welt oder sabotieren Informationssperren und Zensur in Diktaturen. Oft sind es einfach andere Perspektiven, die sich durch Blogger gewinnen lassen. Das England-Bild etwa, das Oliver Marc Hartwich bei der Achse des Guten zeichnet, ist von grassierendem Etatismus geprägt und passt so gar nicht zum Image der Insel als Hort der individuellen und bürgerlichen Freiheit.
Wildwüchsige Mikropublizistik und Autorenjournalismus
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| Podium: Kantel, Messmer, Müller (Mod.), Hartwich |
So viel wildwüchsige „Mikropublizistik“ (so Jörg Kantel von
schockwellenreiter.de ) bleibt nicht ohne Konsequenzen: Schon jetzt zeigt sich, wie Messmer feststellte, in den klassischen Medien eine Renaissance des Autorenjournalismus, hervorgerufen durch die Blogs. Besucher der Medientage München im vergangenen Jahr wundert das nicht, sie konnten bei verschiedenen Gelegenheiten Verleger hören, die sich brüsteten, namhafte Blogger für ihre Häuser angeworben zu haben, wegen derer „Personality“, wie es allenthalben hieß. Die Personality dieser Journalisten kommt nicht von ungefähr: Ihre Argumente und Analysen stechen gerade deshalb, weil sie es gewohnt sind, sich mit ihren Argumenten und Analysen durch das öffentliche Schlachtfeld auf ihren Kommentarfeldern durchzukämpfen und dem atmosphärischen Druck ihrer Blogosphäre standzuhalten.
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| Hervorragende Organisation: Wolfgang Müller vom Institut für Unternehmerische Freiheit |
So sehr die liberalen Blogger ihr virtuelles Medium auch schätzen, so sehr wissen sie auch um die Vorzüge persönlicher Kommunikation: „Diese Veranstaltung wird innerhalb der Liberalen Blogosphäre zum Mythos werden, so ähnlich wie Woodstock, nur ohne Regen und ohne BtMG-relevante Substanzen“ – so das Fazit der Gummersbacher Tage von Marian Wirth
(Bissige Liberale ohne Gnade). „Es war die beste Veranstaltung mit mehr als einem Menschen, an der ich je teilgenommen habe.“
Das mag vermessen klingen, doch schon allein mit diesem Gefühl nach Hause zu fahren, muss die Reise Wert gewesen sein. Und die Erkenntnis, Teil einer – nicht mehr nur virtuellen – Bürgergesellschaft zu sein, die diesen Namen verdient.
Boris Eichler
Online-Referent
In Gummersbach waren vertreten:
Achse des Guten Antibuerokratieteam Arlesheimreloaded Bissige Liberale Conservativehome Freiheit, Markt, Recht Freiheitsfabrik Freunde der offenen Gesellschaft Institut für Unternehmerische Freiheit Lawblog Media-Ocean Mit dem Kopf voran Odem Oekologismus Schockwellenreiter Transatlantic Forum Fotos: Norbert Stehlik, Gruppenfoto: Daniel FallensteinHinweis: Berlin 9.11.2007
Veranstaltung vor der ägyptischen Botschaft
Demonstration für den Blogger Kareem Amer